Ossis Radreise an das Schwarze Meer

12.5.09   Route:

Turnu Magurele ⇒ Ciuperceni ⇒ Traian ⇒ Seaca ⇒ Navodar ⇒ Vanator ⇒ Lisa ⇒ Piatra ⇒ Viisoara ⇒ Suhaia ⇒ Fantanele ⇒ Zimnicea ⇒ Zimnicele ⇒ Nästurelu ⇒ Bujoru ⇒ Pietrosani ⇒ Pietrisu ⇒ Gäujani ⇒ Cetatuia ⇒ Vedea ⇒ Malu ⇒ Slobozia ⇒ - Grenze Giurgiu/RO - Ruse/BG

159 Kilometer

Heute habe ich wieder ein paar unglaubliche, aber schöne Erlebnisse gehabt. Einige Ortschaften nach Turnu Magurele gibt es ein Dorf (Suhaia), dort ist auf jedem 3. Strommast auf der Hauptstraße ein Lautsprecher montiert und das ganze Dorf hört Open Air Radio (Foto). Im nächsten Dorf (Fantanele) sah ich kurz vor der Ortstafel, dass dort eine größere Zigeunerfamilie ihre Zelte aufgeschlagen hatte. Da ich in den letzten zwei Tagen keinen größeren Adrenalinschub mehr bekommen habe (weil wenig Verkehr), bin ich einfach am Straßenrand stehen geblieben . Bin die 50 Meter zu diesen Zelten hingegangen und habe nach der Begrüßung gefragt, ob ich ein Foto machen darf. Die kleinen Buben sind mir natürlich schon mit der entsprechenden Gesten entgegengelaufen, dass sie etwas Geld wollten. Ich habe ihnen vorerst nichts gegeben; die Leute waren sehr freundlich und haben sich sehr über die Fotos gefreut, weil sie diese gleich anschauen konnte. Von diesen Leuten hat keiner noch eine Digicam gesehen. Nach jedem Foto musste ich die Runde machen und es jedem extra zeigen - auch den Alten, die waren besonders erstaunt. Dann habe ich den Kindern doch noch ein paar Lei gegeben - das war ein Tumult! Als ich die Geldbörse aufmachte, hatte ich schon ein komisches Gefühl, aber es ist nichts passiert. Ich war zirka eine Viertelstunde in diesem Zigeunerlager und wir hatten viel SpaƟ miteinander. Nach einer schönen Verabschiedung (hier muss man jedem die Hand schütteln, auch wenn es 20 Leute sind) ging es wieder weiter. In dieser Ortschaft sieht man auch noch wie Lehmziegeln selbst hergestellt werden. Gegen Mittag wollte ich etwas Kaltes trinken, und habe bei der Gelegenheit ein echtes rumänisches Gasthaus fotografiert. Am Nachmittag sah ich zufällig, wie ein Schafhirt einem seiner Böcke sein Fell scherte und bin zu ihm hingegangen. Ich sagte zu ihm, dass dies sicher eine schwere Arbeit ist und habe ihn um ein Foto gebeten. Er hat sich sehr über das Foto gefreut. Ich habe ihm noch ein Stück von meiner Mehlspeise gegeben, die ich einen Tag vorher in Turnu Magurele gekauft hatte. Und dann ging es schon wieder weiter. Durch den guten Rückenwind war ich schon relativ früh an meinem heutigen Ziel, Giurgiu angelangt und habe deshalb beschlossen, einen Abstecher nach Bulgarien, in die Stadt Ruse zu machen. Ich erhoffte mir davon, dass ich hier günstiger schlafen könnte. Schade um die zwölf Kilometer, die ich extra machte und morgen wieder zurückfahren muss. Das Zimmer kostete € 26,--. Etwas, das mir auf der ganzen Strecke, hier in Südrumänien aufgefallen ist, möchte ich noch anmerken. Ein einzelner Radreisender wird hier von Alt und Jung gegrüßt und angefeuert mit den Worten: Gesundheit, gute Reise, viel Glück, Hallo, Ola, usw.. Ganze Schulklassen schreien und winken, wenn ich an ihnen vorüberfahre - ein faszinierendes Phänomen. Ein Radreisender ist für die Leute hier sowas wie ein Glücksritter. Wer es nicht gesehen hat, glaubt es vielleicht nicht - aber so ist es.